Eine Maturaarbeit mit «Härzbluet» geschrieben

Eine Maturaarbeit mit «Härzbluet» geschrieben

Von Beat Kirchhofer

Kezia Schlatter hat als Maturaarbeit für die Brass Band «ihres» Musikvereins einen Marsch komponiert.

Kezia Schlatter mit der Partitur von «Härzbluet». Ein Marsch, den die Rothrister Brass Band 2017 öffentlich spielt.

«Härzbluet» heisst der Marsch, den Kezia Schlatter der Rothrister Brass Band auf den Leib geschrieben respektive komponiert hat. Wie kommt man dazu, als Maturaarbeit ein Musikstück zu schreiben? «Ich stamme aus einer sehr musikalischen Familie und habe an der Kanti Musik als Ergänzungsfach gewählt», sagt die Rothristerin.
Die «Drummerin»
Welches Instrument spielt sie? «Als ich klein war, habe ich mit Klavier begonnen.» Dann aber, so ab der 5. Klasse, sei sie nicht mehr motiviert gewesen und habe sich dem Schlagzeug, der Perkussion, zugewandt. «Ich fand es schon immer cool, was Knaben machen und habe früher eine Zeit lang Fussball gespielt.» Als Perkussionistin respektive in anderen Musiksparten als «Drummerin», ist sie heute beim Musikverein Rothrist sowie bei zwei Bands aktiv.
Wie geht man eine Komposition an? Kezia Schlatter zeigt in ihren Antworten, dass sie sich mit dem Thema tief gehend befasst hat. Das individuelle Vorgehen stehe in einem Zusammenhang mit dem Menschen. «Der eine benötigt klare Strukturen, Vorgaben und Regeln.» Ein solcher Komponist halte sich an die Satzlehre, richte sich meist nach der tiefsten Satzlinie, dem Generalbass aus und ergänze die übrigen Stimmen nach vorgegebenen Regeln.
Nach Gehör gearbeitet
«Das habe ich nicht gemacht und ging nach Gehör vor.» Aber auch hier ging es darum, eine Hauptstimme zu schreiben und dann die Nebenstimmen zu entwickeln. «Dabei habe ich nicht nur darauf geschaut, wie diese tönen, sondern auch, wie sie der Funktion des eingesetzten Instruments entsprechen.»
Ein Marsch, sagt Kezia Schlatter, bestehe aus einer Einleitung, welche die Zuhörerinnen und -hörer mitreissen muss, damit sie neugierig auf den weiteren Verlauf werden. Meist schliesse sich ein Bass-Solo an, dann folge das «Trio» und der Schluss. Für den ersten Teil hat sie die Leitstimme den höheren Lagen, konkret dem Kornett, übertragen. «Dieses hat einen markanten Ton und reisst mit, holt die meisten Leute ab.» Bass-Solo ist selbsterklärend und beim Trio – in ihm soll die Hauptstimme ruhiger und voller klingen – hat sich Kezia Schlatter für das Euphonium als Leitinstrument entschieden.
Aus dem Griechischen übersetzt geht es um ein «wohlklingendes» Horn, dessen Klang tiefer als jener einer Trompete ist.
Technisch-handwerklich hat Schlatter am PC mit einem speziellen Programm komponiert. «Über Tastatur und Maus konnte ich meine Melodie eingeben und sie hören; mit anderen Stimmen ergänzen.» Die Fragen, welche sie beantworten musste, waren, in welchem Takt soll der Marsch ablaufen und welches Instrument sollte welche Stimme übernehmen, wo setzt eine zweite Melodie ein?
Den «Leadstream» habe sie dann da und dort umgestellt. Die Zwischenstände ihrer Komposition mit verschiedenen Dirigenten und ihrem Mentor an der Kantonsschule Zofingen besprochen. «Arbeitet man intensiv an einer Komposition für ein Orchester, dann hört man irgendwann nicht mehr, wo es nicht ganz stimmt.» Mit einbezogen waren auch die einzelnen Musikerinnen und Musiker: Was ist für sie auf ihren Instrumenten spielbar?
Ein grosser Vorteil des PC-Programms sei es, dass mit ihm die einzelnen Instrumentenstimmen automatisiert aus der Partition herausgelöst und ausgedruckt werden konnten. «Und es half auch das Layout zu erstellen.» Damit meint Kezia Schlatter, dass eine einzelne Musikerin, ein einzelner Musiker nicht dann in den Noten blättern muss, wenn gerade eine schwierige Passage zu spielen ist.

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